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23. August 2026

Wenn Frauen führen – wird es oft heimelig und zukunftsfähig

- wird es vielerorts heimelig und zukunftsfähig

Christina Martin lebt in zwei Welten – und bringt beide in ihrer Heimat in Kirchschlag zum Blühen. Biobäuerin aus Überzeugung. Bürgermeisterin aus Berufung. Und dazwischen viel unsichtbar geleistete Arbeit. Ein Weckruf an Frauen, Verantwortung nicht zu scheuen und mit weiblicher Handschrift zu gestalten.

Anpacken. Schon im Kindergarten wusste Christina, dass sie Biobäuerin werden will. Am Biohof Stieger ist das fast Tradition: Seit 1850 übernehmen hier meist die Töchter den Hof. 2005 hat Christina den Hof übernommen - mit einem Blick, der die nächsten Generationen mitdenkt.  

Es ist ein arrondierter Grünlandbetrieb, umgeben von den eigenen Flächen. Dort grast Waldviertler Blondvieh – eine alte gefährdete Doppelnutzungsrasse für Fleisch und Milch, die sich Christina schon zur Matura gewünscht hat. Heute sind es 23 Tiere, davon zehn Mutterkühe, die im Sommer Selbstversorger auf der Weide sind. Dazu zwei Pferde,  eine bunte Hühnerschar und ein Hirtenhund. Ihre zwei Kinder sagen: “Wenn ich nochmal auf die Welt komme, möchte ich eine Kuh bei uns sein”.  

Eine schönere Beschreibung von Heimat gibt es wohl kaum.  

“Wir kaufen für den Betrieb kaum etwas zu. Wir arbeiten mit dem, was wir am Hof haben und setzen es wieder ein”

Christina Martin, Biobäuerin in Kirchschlag

Von der Spinnerin zur Zukunftsbäuerin

 Seit 1994 ist der Hof bereits bio-zertifiziert. “Damals galten meine Eltern als Spinner”, erinnert sich Christina. Heute gilt der Hof als Beispiel für echte Kreislaufwirtschaft: “Wir kaufen für den Betrieb kaum etwas zu. Wir arbeiten mit dem, was wir am Hof haben und setzen es wieder ein” - und zwar so, dass auch die Nachwelt noch so ein schönes Leben haben kann wie sie. Das ist für sie Nachhaltigkeit. Ein Gegenentwurf zur globalen Abhängigkeit.

Brot mit Geschichte

Und dann ist da noch das Brot aus eigenem Getreide. Ein Sauerteig, der seit über 30 Jahren lebt. Ein direktbefeuerrter Holzofen, der nie zweimal gleich brennt. Und ein Handwerk, das viel Geduld braucht. Donnerstag ist Backtag. Der Sauerteigstarter stammt noch von ihrer Mama. Zur Sicherheit hat sie immer ein wenig davon eingefroren. “Ein gutes Brot braucht eine g’scheite Kruste und viel Zeit”. Und  gute Butter drauf. Eingeschlagen in einem Brottuch in einer Holzlade bleibt es lange frisch.  

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“Wichtig ist, dass man die Menschen mitreden lässt, dass sie ihre Heimat mitgestalten dürfen”.  

Christina Martin, Bürgermeisterin von Kirchschlag

Heimeligkeit als Führungsstil

Ein schnuckeliges Gemeindeamt. Christina ist eine Bürgermeisterin, die macht. Eine Macherin. Sie kümmert sich um Straßenbau, Wasser- und Abwasser, Anträge und Anliegen der Bevölkerung. Anfangs wurde ihr als Frau nicht viel zugetraut. Heute weiß jeder: sie kann’s.  

Christina kommt aus der Landjugend, aus dem Musikverein (sie spielt Tuba!), aus der Dorferneuerung. Aus dem Wunsch heraus, ihre Heimat aktiv zu gestalten, statt in ihrem Amt zu verwalten. Sie kennt die Menschen und ihre Bedürfnisse. “Wichtig ist, dass man die Menschen mitreden lässt, dass sie ihre Heimat mitgestalten dürfen”.  

Ihr Erfolge sprechen für sich: 
-eine Kooperation mit Ottenschlag für Schule und Kindergarten 
-ein neues Feuerwehr- und Mehrzweckhaus 
-eine Sportanlage, die lebt 
-Blumen in der Gemeinde 
-der “Lebensweg”, ein Weitwanderweg im Waldviertel, den sie als Vereinsobfrau mit ihrem Team weiterentwickelt. 

Wenn sie sieht, wie gerne Kinder und Lehrer dort in die Schule gehen oder wenn sie abends nach Haus fährt und die Lichter am Sportareal, im Feuerwehrhaus und in der Volksschule sieht, weiß sie: Hier wird Gemeinschaft gelebt. 

Heimat mitgestalten

Christina sagt: “Wenn eine Frau in der Führung ist, wirkt alles heimeliger, kommt mir vor”. 

Heimelig heißt hier: Menschen fühlen sich zu Hause. Und genau das macht Gemeinden zukunftsfähig. 

Ja, früher, da war der Bürgermeister noch jemand. Wenn der was gesagt hat, dann war das so. Heute wird alles hinterfragt, ob das stimmt. “Wir arbeiten gewissenhaft im Sinne der Bevölkerung - und dann gibt es Situationen wo dein Gegenüber dir quasi sagt, dass das nicht stimmt, was du sagst”. Leichte Kränkung schwingt hinter solchen Unterstellungen mit. Aber ein Bürgermeisterjob macht den Rücken breiter. Den Fokus klarer, was wichtig ist. Und die wahren Freunde sichtbarer.  

Zwei Rollen - ein Herz

Christinas Tag beginnt um 5.30 Uhr. Kinder wecken. Stall. Gemeinde. Jeden Tag. Ihre Mama kocht mittags. "Es ist wichtig, der weichenden Generation eine Aufgabe zu geben, sie noch mitmachen lassen”. Abends gehts wieder in den Stall, danach oft zu den Vereinen. Ihr Mann und ihre Kinder unterstützt sie, wo es geht – „der Bauer“ vor allem bei den Maschinen und schweren Arbeiten. Und trotzdem bleibt viel unsichtbar. “Wenn ich im Laufstall ausmiste, sieht man 2 Stunden später nicht mehr, was ich gemacht habe”, lacht sie. Aber dafür haben die Tiere ein feines freies Leben.  

Ob sie anders leben wollen würde? “Nur das Amt der Bürgermeisterin wär für mich keine Option. Dafür bin ich zu gerne Biobäuerin”. Die Landwirtschaft ist ihr Ausgleich - und neben ihrem Beruf als Landwirtschaftslehrerin (derzeit karenziert) ein zweites Standbein, das die Familie trägt.  

“Nur das Amt der Bürgermeisterin wär für mich keine Option. Dafür bin ich zu gerne Biobäuerin”.

Christina Martin, Bürgermeisterin und Biobäuerin in Kirchschlag

Ohne uns wären die Regale leer

Inzwischen gibt es sogar Anerkennung dafür. Menschen verstehen zunehmend, wie wichtig regionale Landwirtschaft ist. “Wenn es uns Bauern nicht gäbe, wären die Regale in den Geschäften leer.” Einen wertvollen Beitrag leistet hier die BerSta in Christinas Gemeinde, ein Naturkostgroßhändler, der die Bioprodukte vom Berg zu den Bioläden und Bio-Gastronomen in die Stadt bringt. Erntefrisch, hochwertig, regional. U.a. auch Christinas Brot. Das gibt es aber auch vor Ort ab Hof, beim ADEG in Mühldorf und in der Greißlerei in Ottenschlag.

Was das für die Gastronomie bedeutet

Ein Hof wie der Biohof Stieger liefert: 

  • verlässliche Qualität aus echten Kreisläufen 
  • Fleisch von Tieren, die langsam wachsen und gut leben 
  • Brot, das pures Handwerk ist statt Industrie 
  • Transparenz, die Gäste heute erwarten 
  • Geschichten, die man erzählen kann 
  • Wertschöpfung, die in der Region bleibt 
     

Viele Gastronomiebetriebe in der Gegend machen es bereits vor – sie kaufen bei Biobauern ein und schreiben die Herkunft auf die Karte. “Da weiß man, woher sie das Fleisch, die Eier, die Milch haben – da geht man dann auch gerne hin”. Zukunft entsteht dort, wo man Verantwortung übernimmt. 

"Menschen verstehen zunehmend, wie wichtig regionale Landwirtschaft ist."

Christina Martin, Bürgermeisterin und Biobäuerin in Kirchschlag

Quintessenz

Christina ist mutig. Manchmal sogar ein bisschen wahnsinnig, wie sie selbst sagt. Aber immer mit dem Herz dabei. Ihre Arbeit zeigt, warum heimelige Orte und Bio-Höfe auch wirtschaftlich stark und damit zukunftsfähig sind. Wie sie Landschaft und Region prägen. Und wie Zukunft aussieht, wenn Frauen gestalten.  

Ihre Botschaft an andere Frauen:  “Einfach machen. Nicht alles zerdenken”.  


Unsere "BIO-HOFTOUREN mit Kathi & Dani" sind Teil der NaHtürlichBIO-Kampagne 2026 "Jahr der Biobäuerin".

Sie macht sichtbar, was Frauen in der Bio-Landwirtschaft leisten und im Alltag oft übersehen wird: nicht nur die Care-Arbeit, sondern auch ihr Beitrag für Ernährungssicherheit und Klimaschutz. 

das.jahr.der.biobaeuerin


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Jahr der Biobäuerin.

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