Bio als Hitzeschild?
Dürre ist ein Weckruf für Landwirtschaft und Gastronomie.
Unsere Versorgung mit regionalen Lebensmitteln ist bedroht. Die Bio-Landwirtschaft schützt doppelt: Sie senkt Treibhausgase und hat Werkzeuge, um dem Klimawandel zu trotzen. Wir zeigen, welche.

Für die Landwirtschaft ist 2026 ein historisches Dürrejahr. In den betroffenen Gebieten gab es schwere Ernteeinbußen (bis zu 20% bei Getreide, 50% bei Grünland). Die Weiden vertrockneten, es gab nicht mehr genug Futter. Die Bäuerinnen und Bauern waren gezwungen ihre Winterfutterreserven zu verfüttern - oder Futter zuzukaufen, falls am Markt überhaupt etwas zu finden war. Viele mussten ihre Tiere vorzeitig zum Schlachten bringen – ihre Einnahmequelle für die kommenden Jahre! “Vor allem kleinere Betriebe werden damit an ihre Existenzgrenzen kommen”, prognostiziert Lukas Hochwallner, Geschäftsführer der ARGE NaHtürlichBIO. Er ist Biolandwirt und auch Geschäftsführer der Biobäuerlichen Vermarktungsgenossenschaft und beschäftig sich intensiv mit zukunftsfähigem Herden- und Weidemanagement. Alles hoffte auf einen regenreichen Herbst.
Nervosität im ländlichen Raum
Die Trockenheit ist nicht nur für die Landwirtschaft ein veritabler Stresstest, sondern sie wird uns alle betreffen. Denn wenn die Bäuer:innen kein Wasser haben, können sie keine Lebensmittel für die Bevölkerung produzieren.
Johannes Tintner-Olifier vom Institut für Statistik der Boku warnt: "Wir müssen uns auf Krisenjahre vorbereiten, die noch wärmer und trockener sein werden als heuer. Es geht dabei nicht um einzelne Betriebe, sondern um das gesamte gesellschaftliche Gefüge im ländlichen Raum und um die Frage, wie die Lebensmittelversorgung der Zukunft aussehen soll. Die Nervosität ist groß.”
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Maximale Systemrelevanz
Laut einer Umfrage gehen 80 Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe in Österreich davon aus, dass der Klimawandel Auswirkungen auf sie hat, 40 Prozent sehen das für sie als existenzgefährdend.
“Die aktuelle Situation hat maximale Systemrelevanz”, betont Hochwallner.
Auch für die Gastronomie. Denn was nicht wächst, kann auch nicht verkocht werden. Die Dürre frisst sich durch die gesamte Lieferkette: erst vertrocknen die Böden – dann die Speisekarten. Manche Produkte werden schlicht verschwinden, Preise springen wie Funken im trockenen Gras. Für viele Gastrobetriebe wird die zunehmende Trockenheit zu einem Risiko für die Kalkulation, aber auch für die eigene Handschrift. Denn regionale Küche funktioniert nur, wenn die Region noch produziert.
Hochwallner: "Die Trockenheit in der Landwirtschaft ist eine reele Bedrohung für die Versorgung unserer Küchen mit regionalen, saisonalen Lebensmitteln. Die wunderbare Vielfalt, die unsere Bäuer:innen täglich produzieren, und auch die Sicherheit, die regionale Lieferketten bieten können, stehen auf dem Spiel - wenn die Landwirtschaft weiterhin Strategien anwendet, die langfristig unter dem Klimawandel nicht mehr funktionieren und das Problem damit auch noch verschärfen."
"Es geht um die Frage, wie die Lebensmittelversorgung der Zukunft aussehen kann."
Jetzt handeln – morgen ernten
Bio-Betriebe sind nicht unverwundbar. Auch sie haben heuer Ernte- und Futterprobleme – das darf gesagt werden. Aber sie hat Werkzeuge, die auch unter Extremhitze Stabilität schaffen können: Böden, die Wasser halten. Pflanzen, die tiefer wurzeln. Kreisläufe, die unabhängig machen. “Vorausgesetzt, die Umstellung passiert jetzt, um gut auf das nächste Jahr vorbereitet zu sein”, so Hochwallner, damit auch morgen noch die regionale Versorgungssicherheit gewährleistet ist.
Er ist ein vorausschauender Landwirt und hat seinen eigenen Betrieb vor Jahren schon auf trockenheitsresistente Grünlandhaltung umgestellt – und kam heuer ohne existenzgefährdende Einbußen durch den Sommer. Er zeigt uns, an welchen Stellschrauben Biobetriebe drehen können, um in Zukunft stabil wirtschaften zu können trotz Wetterextremen:
Werkzeugkasten für die Trockenheit
Lukas Hochwallner, Geschäftsführer der Biobäuerlichen Vermarktungsgenossenschaft, beschäftigt sich seit viele Jahren mit der Umstellung auf eine klimafitte Bio-Landwirtschaft im Viehzuchtbereich und forscht an den verschiedenen Stellschrauben, die aus einem Bio-Betrieb einen mittelfristig wirtschaftlich erfolgreichen Bio-Betrieb machen - trotz Klimawandel.
Gut aufgestellt für den Klimawandel
- Humusaufbau: verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und Bodenstruktur und schützt vor Bodenerosion bei Starkregenereignissen.
- Kreisläufe stärken: betriebseigene Futtermittelproduktion statt –importe, eigener Mist statt Kunstdünger.
- Weide- statt Stallhaltung: verbessert den Wasserhaushalt im Boden, v.a. bei Weiderotation.
- Während der Sommertrockenheit: weniger Tiere auf mehr Fläche, damit das Gras wachsen kann und der eigene Boden alle ernähren kann.
- Weidemanagement: abgezäunte Koppelweide (rotierende Abschnitte) mit Regenerationszeiten statt Kurzrasen-Dauerweide. Futtervorrat!
- Innovative Pflanzenwahl: klimaangepasste Kulturen. Mais gilt als Hitzegewinner, auch tiefwurzelnde Gräser wie Kleegras und Luzernen.
- Pflanzenvielfalt: Vielfältige Fruchtfolgen, damit sich der Wasserstress auf mehrere Kulturen verteilt (Flachwurzler wechseln mit Tiefwurzlern...)
- Mikroklima verbessern: Agroforst bringt Schatten, Mulch und Dauerbegrünung (Leguminosen) verhindern Austrocknung.
- Wassersparende Bodenbearbeitung: Bei Mulchsaat oder Direktsaat-Verfahren im Ackerbau wird der Boden nahezu nicht bearbeitet.
- Herdenmanagement: Saisonale Abkalbung, damit die Kühe in der Phase der höchsten Milchleitung und wenn sie wieder trächtig werden sollen das beste Futter haben (Mai/Juni).
Hochwallner über seinen “Werkzeugkasten”: “Der übliche Weg ist es, zu versuchen, dem bestehenden Tierbestand das für sie notwendige Futter zu geben. Selten macht sich jemand darüber Gedanken, wieviel und welche Tiere eine Fläche braucht und wie man die Tiere auch anpassen kann”. Auf seinem Hof versucht er, die Leistung zu senken und dafür resilienter zu werden, weil er nicht am Limit arbeitet. “Allerdings muss man es sich leisten können, die Leistung bewusst zu senken, um Vorräte zu schaffen. Ich mache es, weil ich daran glaube. Und das Jahr 2026 gibt mir recht”.

Zwischen Anpassung und Ursache
Doch eines sei auch gesagt: Anpassung alleine reicht nicht. Wir müssen über die Ursachen reden: die Emissionen. Und weil sich Emissionen vom Reden unbeeindruckt zeigen, müssen wir etwas tun.
Laut Umweltbundesamt produziert unsere Landwirtschaft 10,2 Prozent der österreichischen Treibhausgasemissionen – dazu zählen
- CO2 durch Dieselmotoren, Energie für Stallanlagen (4%)
- Methan durch die Rinderhaltung (62%)
- Lachgas durch Kunstdünger und Gülle. (32%)
Methan entsteht durch das Wiederkäuen der Rinder (enterische Fermentation) und ist ein sehr kurzlebiges Gas, das binnen 12 Jahre fast vollständig in der Atmosphäre abgebaut wird (siehe dazu: die Kuh ist ein Zukunftstier). Weitaus klimawirksamer und gefährlicher hingegen ist Lachgas, weil es über 100 Jahre in der Atmosphäre wirkt und 300 mal so viel Erwärmung bewirkt als CO2. Es entsteht vorrangig durch den Einsatz von Kunstdünger und Überdüngung bei Massentierhaltung.
"Wer heute Bio stärkt, sichert die regionalen Lebensmittel für morgen."

Bio schützt zweifach
Die Bio-Landwirtschaft in Österreich verursacht pro Kilogramm Lebensmittel bis zu 50 Prozent weniger CO2-Emissionen als konventionelle Betriebe, beim Bio-Ackerbau sogar bis zu 90% (ÖPUL) - nicht zuletzt, weil auf synthetische Stickstoffdünger verzichtet wird. Ein direkter Hebel für unsere Zukunft und den Klimawandel.
Bio wirkt also zweifach: Es senkt die Emissionen – und hält der Hitze stand. Es schützt Klima und Lebensmittelversorgung zugleich.
Oder wie es Hochwallner beschreibt: “Wer heute Bio stärkt, sichert die regionalen Lebensmittel für morgen. Denn Bio kann das Hitzeschild der Landwirtschaft sein.”
NaHtürlichBIO lädt zur Klimalernreise





