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5. September 2026

Lidl kauft Schiffe – Zeichen einer neuen Zeit

Und was das mit der Gastronomie zu tun hat

Wer Versorgungssicherheit will, muss sich unabhängiger machen. Der Handel löst das mit einer eigenen Flotte. Die Gastronomie braucht keine eigenen Schiffe. Ihre stärkste Flotte liegt direkt vor der Haustür.

Kommentar von Hannes Zottl, Geschäftsführer des Bio-Großhändlers BerSta

Die Straße von Hormus, der Ukraine-Krieg, das Schiff Ever Given zeigten, wie verletzlich internationale Wareströme sind - und wie abhängig wir sind. Ein einziges Ereignis kann die Lieferketten ins Wanken bringen. 

Der Handel reagiert: Lidl kauft Schiffe. Und baut eine eigene Transportflotte auf - für mehr Kontrolle über Warenverfügbarkeit und Versorgungssicherheit.


Region schlägt Container


Auch Gastronomen kennen diese Engpässe bei Verfügbarkeit, Liefersicherheit, Planbarkeit. Doch sie brauchen keine eigene Schiffsflotte, denn die stärkste Flotte liegt direkt vor der Haustür: die regionale Wertschöpfungskette.
 

Regionale Produzent:innen können nämlich etwas, das kein globaler Markt leisten kann:

  • Planbarkeit: Bauern und Bäuerinnen aus der Region liefern verlässlich, weil unabhängig von internationalen Krise
  • Mengensicherheit durch direkte Absprachen, kurze Wege  
  • stabile Preise, weil unabhängig von internationalen Preisschocks 
  • Transparenz durch persönliche Beziehungen und klare Herkunft 
  • Frische ohne Weltreise, aromatischer, CO2-sparend 
  • Wertschöpfung bleibt in der Region und fließt nicht in globale Logistiksysteme 


Bio-Kreisläufe statt Krisen


Regionale BIO
-Wertschöpfungsketten sind besonders resilient, vor allem in Bezug auf Ernteausfälle und Trockenheit. Denn die Bio-Landwirtschaft achtet auf humusreiche Böden, weil sie Wasser sehr gut speichern können. Die verpflichtende Weidehaltung inklusive organischer Düngung stärkt das Dauergrünland. Biodiversität und Zwischenbegrünungen schützen beim Acker- und Gemüsebau vor Ernteeinbrüchen. Und Unabhängigkeit von Importfutter und synthetischen Düngemitteln macht Bio-Lieferanten krisenfester. 
 


Ohne Umwege


Für Gastronom:innen funktioniert eine regionale Bio-Wertschöpfungskette wie ein lebendiges Netzwerk vom Acker bis zum Teller:

  • Sie kennen ihre Produzent:innen, sprechen über Sorten, Mengen und Qualität und erhalten die Ware ohne Umwege.
  • Bio‑Landwirt:innen bauen an bzw. mästen, was die Gastronomie braucht; geschlachtet wird regional. 
  • Die Gastronomie kocht, was die Region zu jeder Jahreszeit hergibt. Und macht die Herkunft seiner Produkte für die Gäste sichtbar. Das stärkt beide, Wirt:in und Landwirt:in.  
  • Landwirt:nnen und Wirt:innen verstehen sich als Partner am Anfang und Ende derselben Kette.

     

Konkrete Stabilität


So entsteht ein Kreislauf: Bauern und Bäuerinnen können stabil wirtschaften, Böden bleiben fruchtbar, Wege werden kurz, Qualität steigt – und die Gastronomie erhält planbare Mengen, verlässliche Lieferungen, ehrliche Produkte und eine Geschichte, die Gäste heute hören wollen.
 

Regionale Wertschöpfungskette ist ein Zusammenspiel aus Nähe, Vertrauen und wiederkehrender Zusammenarbeit, das allen Beteiligten Stabilität gibt.

Abenteuer Direktvermarktung?


Eine moderne regionale Kette ist kein romantisches Direktvermarktungs
‑Abenteuer, bei dem Gastronom:innen auf eigene Faust auf Höfe-Erkundungstour gehen. Es ist ein professionelles Netzwerk aus regionalen Bio‑Bäuer:innen, regionalem Bio-Schlachthof und regionalem Bio-Großhandel – und das alles koordiniert: Die Gastronomie hat einen Ansprechpartner, gebündelte Lieferungen, klare Herkunft und kurze Wege. Ein System, das Verlässlichkeit, Qualität und echte Nähe gewährleisten kann.  

Kommentar von Hannes Zottl, Geschäftsführer des Bio-Großhandels BerSta (= vom Berg in die Stadt) und Gründungsmitglied der ARGE NahtürlichBIO.

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