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20. Mai 2026

Die Illusion des Billigen

Oder warum der Kassenzettel lügt. Eine Zukunftsrechnung unserer Ernährung.

Der Einkaufspreis auf der Rechnung ist nur die Anzahlung – die eigentliche Rechnung kommt später: wenn die Schäden unserer Lebensmittelproduktion zu begleichen sind.

Sichtbar machen. Es ist einer der hartnäckigsten Mythen, dass biologisch produzierte Lebensmittel teurer sind als konventionell hergestellte. Warum er sich so lange hält? Weil wir einen einzigen Parameter betrachten: der Preis am Kassenzettel. 

Dort steht etwa: 

*konventionelle Frankfurter: 3,19 Euro 

*Bio-Frankfurter: 3,29 Euro 

Auf den ersten Blick wirkt die Bio-Frankfurter teurer – und wir greifen reflexartig zum Billigeren. Doch das ist nur die Vorderseite der Rechnung. Auf der Rückseite stehen -unsichtbar- die Folgekosten unserer Lebensmittelproduktion, die zwar entstehen, aber nicht eingepreist sind: die „externen Kosten“. 

Kosten, die niemand sieht

Dazu zählen: 

  • Klimaschäden durch die CO2-Emissionen
  • Gesundheitskosten durch Pestizide
  • Bodenverlust und Erosion 
  • Wasseraufbereitung durch Überdüngung
  • Antibiotikaresistenzen. 

Diese Kosten zahlen nicht die Verursacher, sondern die Allgemeinheit: Gemeinden, Krankenkassen, Steuerzahler - und kommende Generationen. Denn der Preis am Kassenzettel ist nur die Anzahlung. Die eigentliche Rechnung kommt später. 

Was konventionelle Landwirtschaft wirklich kostet

Kostenwahrheit (True Cost Accounting) berechnet, was Lebensmittel entlang der gesamten Wertschöpfungskette kosten würden, wenn alle Umwelt- und Gesundheitsschäden eingepreist wären, die sie anrichten - ein Instrument für mehr Transparenz, das im aktuellen Agrarsystem kaum vorhanden ist. Denn laut einer Studie von Greenpeace/FÖS (2025) entstehen die meisten externen Kosten in der intensiven konventionellen Landwirtschaft.

Für Küchen mit Haltung. Sie möchten eine praxisnahe Einschätzung, wie Nachhaltigkeit in Ihrer Küche funktionieren kann – ohne Mehraufwand, aber mit spürbarem Mehrwert?

Frankfurter mit zwei Preisen

Und wie hoch sind diese Kosten? Die Technische Hochschule Nürnberg, die Uni Greifswald und Penny haben das sichtbar gemacht: 

Konventionelle Frankfurter (400 g):  
Preis im Regal: 3,19 € 
Preis mit wahren Kosten: 6,01 € (+88 %) 

Davon: 
0,09 € Wasseraufbereitung 
0,94 € Klimaschäden 
0,62 € Gesundheitskosten 
1,17 € Bodenverlust 

Bio-Frankfurter:  
Preis im Regal: 3,29 €
Preis mit wahren Kosten: 5,36 € 

Veganes Schnitzel:  
Aufschlag mit wahren Kosten: +5 %

Ergebnis: Das konventionelle Produkt ist das teurere – und Bio das günstigere. 

„Vor allem konventionell erzeugte tierische Produkte aus intensiver Haltung sind die Haupttreiber dieser externen Kosten“, so Studienleiter Prof. Tobias Gaubler. Grund sind große Mengen externer Futtermittel und synthetischer Stickstoffdünger, die zum Teil vom Ausland zugekauft werden, sowie intensive Mast.  

Volkswirtschaftliche Schieflage

Grundsätzlich ist die Berechnung dieser wahren Kosten komplex - Artenverlust oder Tierwohl lassen sich schwer in Euro fassen. Doch erste Analysen zeigen die Dimension:  

Die WU Wien, Enkeltaugliches Österreich und Zukunft:essen beziffern die gesamten externen Kosten unseres aktuellen Ernährungssystems auf 5–10 % des österreichischen BIP – das wäre ein zweites Gesundheits- oder Bildungssystem. Die Welternährungsorganisation FAO spricht von 10% des weltweiten BIPs. Der WWF bewertet die Schäden weltweit dreimal höher als der Marktwert der Produkte.   

Triefende Äcker voll Gülle 

“Menschen würden sofort mehr darüber nachdenken, weniger Fleisch zu essen, wenn du an der Supermarktkasse für jedes Kilogramm Billigfleisch einen 20-Liter-Eimer Gülle mit ausgehändigt bekommst. Und dann sagt die Kassiererin oder der Kassierer: Das wurde mit erzeugt, wussten Sie das nicht? Das gibt es nur im Doppelpack. Das sind die externen Kosten zum Beispiel von der Gülle. Brauchen Sie einen Deckel oder geht das so mit?”
(Greenpeace/FÖS-Studie)

Dr. Eckart von Hirschhausen, Kabarettist, TV-Moderator, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung Gesunde Erde - Gesunde Menschen

Gülle ist grundsätzlich gut für die Felder, weil es organischer Dünger. Nur die Menge pro Fläche macht's. Bei der konventionellen Massentierhaltung fällt oftmals zu viel Gülle für zu wenig Fläche an. Deshalb kommt es zur Überdüngung - und zur Nitratbelastung im Grundwasser. Biologische Landwirtschaft ist flächengebunden, d.h. die Tierzahl ist an die Fläche gebunden - Überdüngung nicht möglich. 

Bio schafft Wert statt Schäden

Im Gegensatz dazu verursachen biologisch hergestellte Produkte nicht nur deutlich geringere Folgekosten - vielerorts stiften sie sogar „externen Nutzen“ für die Allgemeinheit. Denn Bio ist nicht einfach nur eine alternative Produktionsweise, die weniger Schäden verursacht. Bio ist ein funktionierendes Zukunftssystem, das aktiv jene Grundlagen erhält, auf denen Lebensmittelproduktion langfristig überhaupt möglich ist: fruchtbare Böden, sauberes Wasser, stabile Ökosysteme, ein intaktes Klima und gesunde Tiere.

Also kein „nice to have“, sondern die ökologische und ökonomische Grundvoraussetzung für jede Form von Zukunft.

Die WU Wien beziffert den Gemeinwohl-Nutzen von Bio in der EU mit:

Biodiversität: 10-15 Mrd. EUR
Boden: 5-15 Mrd. EUR
Wasser: 1-2 Mrd. EUR
Gesundheit: 5-15 Mrd. EUR
ländliche Gemeinschaften: bis zu 5 Mrd. EUR jährlich.

 

 

Das leistet die biologische Landwirtschaft:  

 

  • Biodiversitätserhaltung 
  • Bodenfruchtbarkeit und Humusaufbau 
  • Klimaschutz durch geringere Emissionen und höhere Kohlenstoffbindung 
  • Saubere Wasserqualität ohne Nitrat- oder Pestizidbelastung 
  • Tierwohl durch Weidehaltung und artgerechte Fütterung
     

  • Verzicht auf Pestizide, Kunstdünger und präventive Antibiotika

     

  • Erhalt der Kulturlandschaft und regionaler Lebensräume

„Bio ist eine Infrastrukturleistung, die wir bisher nicht als solche behandeln“, so Prof. Dr. Sigrid Stagl, Leiterin des Instituts für ökologische Ökonomie an der WU Wien, „wenn wir die realen Kosten transparent machen, wird klar, dass nachhaltige Landwirtschaft langfristig günstiger ist“.

Es gibt kein "Billigfleisch"

Die Kostenwahrheit kann Bio zwar nicht billiger machen, denn die Bio-Landwirtschaft muss laut EU-Bio-Verordnung höhere Standards bei Tierhaltung und Bodenbewirtschaftung einhalten und erwirtschaftet oft geringere Mengen und Erträge - und diese Mehrkosten müssen durch den Verkaufspreis abgedeckt sein, sonst können Bio-Bäuer:innen nicht überleben. Aber wenn der Nutzen von Bio eingepreist und die Folgeschäden der industriellen Landwirtschaft ausgewiesen werden, wäre Bio fast immer die günstigere Alternative zu konventionell produzierten Lebensmitteln.

"Viele glauben, es gäbe billiges und teures Fleisch. Aber es gibt kein „billiges“ Fleisch – den Preis zahlt nur jemand anderer. Oft die Tiere bei unwürdiger Haltung und Schlachtung", so Manfred Huber, Geschäftsführer Sonnberg Bio-Fleisch, “billig ist ein Mythos – und zwar ein teurer”.

Mit Kostenwahrheit könnten Gastronom:innen nachhaltiger und enkeltauglicher einkaufen, ohne ihren Wareneinsatz zu erhöhen - dafür aber das Gemeinwohl. 

Unsichtbare „externe Kosten“:

  1.  Klimaschäden – Treibhausgasemissionen aus Kunstdünger- und Futtermittelproduktion sowie Tiertransport belasten das Klima. 

  2. Gesundheitskosten – Pestizide in Boden, Lebensmitteln und Atemluft verursachen Gesundheitsschäden  

  3. Bodenverlust – Erosion, Verdichtung und Humusabbau führen zu Verlust von Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität durch intensive Bodenbearbeitung 

  4. Wasseraufbereitung – Reinigung von Trinkwasser aufgrund hoher Nitratbelastung aus Kunstdünger und Überdüngung 

  5. Artenverlust: Rodung für Futtermittel zerstören Lebensräume, Pestizideinsatz verursacht Insektensterben und Bestäubungsausfälle.  

  6. Energieverbrauch – Hoher Energieeinsatz für industrielle Futtermittel-, Kunstdünger- und Pestizidproduktion sowie intensiven Maschineneinsatz 

  7. Antibiotikaresistenzen – Resistenzentwicklung in der Massentierhaltung führt zu steigenden Kosten im Gesundheitssystem. 

Fotocredits:
Hirschhausen (c) Dominik Butzmann, Frankfurter (c)Sonnberg Bio-Fleisch

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JA, ich möchte einen Termin für eine Bio-Beratung: eine praxisnahe Einschätzung, wie Nachhaltigkeit in meiner Küche funktionieren kann – ohne Mehraufwand, aber mit spürbarem Mehrwert. Für Küchen mit Haltung.

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Impulse für Küchen, die weiterdenken: Fakten über biologische Lebensmittel, Geschichten aus Landwirtschaft und Gastronomie, Praxis im Küchenalltag.